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17. Dezember
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Bill sah ihn besorgt an, dann grinste er. „Ist gutgegangen, stimmt’s? Schimpf nicht, Hermann, jetzt machen wir beide Weihnachtsfest.“
Die alte Erna, Kalle mit seinem Rauschebart, Kuddel, der ehemalige Seefahrer, Karl-Ludwig, glattrasiert mit rosigen Wangen und die stille Minna mit ihren ewig staunenden Augen ließen eine Flasche billigen Rotweins kreisen. Sie hatten Schutz vor dem winterlichen Wind unter der Brücke gesucht.
Hier an der Böschung zwischen entlaubten Büschen, leeren Cola-Dosen und bedenkenlos entsorgtem Wohlstandsmüll, fanden sie ein wenig Geborgenheit und Ruhe vor dem weihnachtlichen Gehetze und Trubel in den U-Bahnschächten. Dorthin würden sie später ziehen, wenn alle Menschen in ihren Häusern trocken und warm feiern würden. Die U-Bahnschächte gaben ihnen ihr Dach über dem Kopf. Die fünf waren eine fröhliche Gemeinschaft, bis auf Minna, die wie immer staunend der Unterhaltung folgte, ohne etwas dazu zu sagen.
„Fröhliche Weihnachten!“ Kuddel schwenkte die Flasche und gab sie an die alte Erna weiter. Die nahm einen Schluck, dann stellte sie die Flasche auf den Boden. Sie zog ein Papiertaschentuch aus dem Plastikbeutel, faltete es auseinander, drehte die Mitte zusammen und zupfte an den Ecken, so dass eine Rosette entstand.
„Wenn die Flasche leer ist“, verriet sie geheimnisvoll in die Runde zwinkernd, „dann schmücken wir sie hiermit!“ Sie steckte die Rosette in den Flaschenhals.
„Aber sie ist noch nicht leer!“ Kalle griff danach und nahm einen kräftigen Schluck. „Und – kannst du das auch gebrauchen?“ Vorsichtig zog er ein Stück Silberpapier aus seiner ausgebeulten Hosentasche.
„Heh, toll!“ Erna war ganz begeistert. „Lass mal überlegen, was wir damit machen!“
Morgen geht's weiter!
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