Kennt Ihr es, wenn Ihr im Schlaf träumt und Ihr gleichzeitig wisst, dass Ihr träumt und Ihr deshalb alles nicht so ernst nehmt?
So ging es Oma Grete.. Sie träumte von sprechenden Kunos und Glöckchen, im Schneesturm herumirrenden Kindern und Enkelkindern, die eigentlich sicher und warm zu Hause waren.
Von Ihrem Franz, der doch zum Heiligabend nach Hause kam und Grete lächelte im Schlaf…
...aber dann gab es ein Gepolter an der Haustür und durchdringendes Gebell von Kuno und Grete schlug die Augen auf…. mit dem Glöckchen war auch irgendwas..aber darum kümmere ich mich später, dachte Grete und schritt zur Tat…beziehungsweise an die Haustür….
Wusch… sauste ihr nach dem Öffnen ein weißrotes irgendwas durch die Füße in die gute Stube..und dann ging erstmal nichts mit Denken, denn alle Kinder und Kindeskinder purzelten ihr verschneit, verkühlt und erschöpft entgegen…
Gestatten..Klabauter, sagte Klabauter und ließ sich auf Kunos weiche Decke vor dem Kamin plumpsen. Und sie dürfen mir jetzt eine Schale handwarme Katzenmilch und eine Lage Biolachs mit einem Hauch Sahne reichen…Aber pronto..und begann sich zu putzen und vom Schnee zu befreien.
Kuno war so baff, dass er glatt vergaß, zu knurren.
Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich die gute Stube in ein Notfalllager…Grete wirbelte wie in ihren besten Zeiten herum und es dauerte nicht lange und alle Besucher aus der Kälte waren ihrer nassen Sachen ledig, wurden in Decken eingemummelt, die Kleinen schliefen und die Großen hielten eine Tasse heißen Tee mit Honig unter die rotgefrorene Nase und konnten Grete erzählen, wie alles zustande kam.
Grete war sprachlos (was selten passierte), freute sich gleichzeitig so sehr und war so dankbar, dass ihr die Vorwürfe a la „ wie konntet Ihr nur“ im Halse stecken blieben…
…und unser Glöckchen?
Ja…das leuchtete immer noch von innen heraus und durchbrach mit seinem Silberstrahl die Dunkelheit auf der Lichtung.
Glöckchen..flüsterte der gute Mond ganz leise…Glöckchen….
Hmmmh? Entgegnete unser Glöckchen verträumt und der alles durchdringende Ton verstummte.
Glöckchen, das hast Du gut gemacht, sagte der Mond …nur erinnere Dich, das ist ein großes Geheimnis….lass es die Menschen nicht wissen, was Du kannst.
Oh..stimmt…Opa Hein hat das auch gesagt. Vielen Dank, lieber Mond. Durch das Glöckchen ging ein leiser Ruck und es sah so aus wie immer.
Ich danke Dir, kleines Glöckchen, es war so schön, Dich zu hören und Dich leuchten zu sehen, lebe wohl und der Mond verschwand hinter der nächsten Wolke.
Das Glöckchen schüttelte sich und blickte in die gute Stube…
Die großen und die kleinen Menschen redeten alle durcheinander und achteten auf nichts anderes und was war das? Kuno, der Schrecken aller Katzen schleckte gerade mit Inbrunst ein schneeverklebtes rötliches Fellbündel ab, was dabei protestierend miaute.
Oh fein, dachte das Glöckchen, damit kann ich den alten Nörgelpitter die nächsten Tage aufziehen…jetzt fehlt nur noch Opa Franz…aber da weiß ich noch keine Lösung…und gähnte herzhaft, denn es war ja alles doch recht anstrengend….und ihm fielen die Äuglein zu….
Gundula saß wieder auf ihrem gemütlichen Platz in der großen Ulme, plusterte ihr Gefieder auf und war sehr mit sich und der Lage zufrieden…es war ja doch schön, wenn man selbst dafür sorgen konnte, dass alles seine Ordnung hatte, dachte sie…klapperte mit den Augenlidern und schlief ein.
Derweil klingelte das in einem Brokatmäntelchen eingepackte Telefon in der Diele….
Denn es war ja Weihnachten und da können doch Wunder passieren…oder nicht?

