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14. Dezember
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Der krumme Kasimir
von Octavia Bender
Wie jeden Winter fuhren ganze Kolonnen von Waldarbeitern zur Schonung am Westhang. Es war wieder einmal Zeit, Weihnachtsbäume zum Fest abzuernten. Auch Hermann und sein Freund Bill, der Gastarbeiter, waren – wie seit vier Jahren – mit von der Partie.
„Sieh nur: krummes Kasimir steht noch immer an sein Platz!“ lachte Bill und deutete auf eine kleine Tanne, die an einer besonders steilen Stelle stand. Zwischen Felsbrocken und Geröll suchte das spärliche Bäumchen seinen Weg nach oben. Der dürre Stamm wuchs seitlich unter einem Felsbrocken hervor, die Wurzeln suchten Halt im Geröll des kargen Bodens.
Diesen Setzling hatte bestimmt niemand dorthin gepflanzt. Vielleicht war das mickerige Pflänzchen einfach als Abfall zur Seite geworfen worden und hatte allem Unbill zum Trotz überlebt.
„Der krumme Kasimir“, verbesserte Hermann automatisch.
Bill sah ihn groß an.
„Es heißt der Tannenbaum – also: der Kasimir, nicht das“, erklärte Hermann geduldig. Bill nickte. Er wollte gerne lernen, richtiges Deutsch zu sprechen. Er überlegte ein Weilchen, dann seufzte er. „Der Tanne muss dieses Mal mit, wir sollen alles leer machen!“
„Stimmt! Die Tanne muss dieses Mal dran glauben“, Hermann betonte die. „Die ganze Schonung soll geschlagen und neu aufgeforstet werden.“
„Die?“ fragte Bill unsicher.
„Hm“, Hermann nickte. „Die Tanne oder der Tannenbaum, aber auf keinen Fall das!“
„Bleiben wir bei Kasimir, der Kasimir“, seufzte Bill.
Die beiden jungen Männer parkten ihren LKW und machten sich an die Arbeit. Zunächst kamen die großen Bäume dran, dann die mittleren und zum Schluss luden sie die kleinen Bäume hinten auf die Ladefläche.
„Und...?“ Bill sah Hermann fragend an, „...was machen wir mit Kasimir?“
Morgen geht's weiter!
Gefunden auf "Weihnachten.de"
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