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16. Dezember
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„Bei mir zuhause in Irland“, begann Bill zu erzählen, „wir treffen Freunde und Bekannte am heiligen Abend in den Pubs. Wir trinken zusammen und reden von vergangenes Jahr.“
„Vom vergangenen Jahr“, verbesserte Hermann automatisch. „Hier gehört der Heilige Abend der Familie, zu den Kindern kommt der Weihnachtsmann und verteilt seine Geschenke.“
„Oh, bei uns kommt auch Santa Claus!“ bestätigte Bill eifrig. „Aber er kommt in die Nacht durchs Schornstein. Und am Weihnachtstag ist dann Familientag. Da kommen alle Kinder und Enkel nach Hause zu old man und old woman...“ Bill verstummte plötzlich und sah zum Fenster hinaus.
„Meiste Kinder kommen nach Hause; nicht immer alle“, erklärte er leise.
Hermann betrachtete seinen Freund von der Seite. Dann fasste er einen Entschluss: „Heh, Bill, hast du schon etwas besonderes vor heute Abend?“ fragte er. „Komm doch mit zu meiner Schwester! Wir haben immer eine Heiligabend-Party mit ihren vier Gören und der Schwieger-Oma. Die freuen sich, wenn sie dir echte deutsche Weihnachten vorspielen können, und ich...“, er buffte seinen Kumpel in die Seite, „...ich habe Unterstützung, die vier Kinder zu unterhalten!“
Bill strahlte. „Richtig deutsche Weihnachten? Toll! Klar unterhalten wir Kinder – darin bin ich gut!“ Er schmunzelte bei dem Gedanken an seine neun jüngeren Schwestern und Brüder.
Im selben Moment fasste Bill hastig nach dem Griff in der Tür, denn Hermann machte gleichzeitig einen heftigen Schlenker und ging voll in die Bremsen. Fluchend kurbelte er das Seitenfenster hinunter und schickte eine Salve Schimpfwörter hinter einem schwankenden Rollerskater hinterher.
„Junge, Junge“, stöhnte er nach einer Weile, „das ist gerade noch einmal gutgegangen. Hast du den Idioten gesehen? Und dazu auch noch auf der Brücke!“
Morgen geht's weiter!
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